Ferienhaus Giannutri

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Isola di Giannutri

Professur Peter Märkli
Landschaft Günther Vogt
Tragkonstruktion Joseph Schwartz
Bauaufgabe Ferienhaus
Bauplatz Giannutri, Tyrrhenisches Meer, I
Jahr 2007

Der Ausgangspunkt des Semesters war die kleine Insel Giannutri im Tyrrhenischen Meer. Die Fragestellung war, ob in der Landschaft eine ebenso präzise Sprachlichkeit gefunden werden kann, um die Morphologie zu beschreiben, wie dies der Fall in jener der Stadtstruktur ist. So sollte ein kleines Bauwerk entworfen werden, welches sich in Beziehung zum gesamten Landschaftsraum setzt.

Der Bauplatz

Den Bauplatz wählte ich am südlichen Ende der Insel, von wo man über ein weites kniehohes Macchiefeld ins Mittelmeer schaut. Am Horizont erblickt man die etwas grössere Nachbarinsel Giglio.

Um auf die Insel zu gelangen, muss man eine Schifffahrt vom Festland zum Hafen im Nordosten von Giannutri buchen. Von hier aus beginnt der Weg unter den niedriegen schattenspendenden Bäumen und führt den immer schmaler werdenden Weg in die etwas tiefer gelegene Ebene im mittleren Teil der Insel hinunter, wo die Höhe der Flora auf Augenhöhe sinkt. Hat man diese Ebene überquert, steigt der Weg wieder an, bis man auf eine Krete gelangt, von der aus sich plötzlich eine enorme Aussicht über ein weites kniehohes Macchiefeld ins Meer eröffnet. Am östlichen Ende vor einer kleinen Anhöhe ist das Ferienhaus platziert. Der Weg führt schliesslich zwischen dieser kleinen Anhöhe und einem der drei höchsten Punkte der Insel hindurch zum Leuchturm, welcher auf dem hohen schroffen Kliff am südlichen Ende der Insel liegt.

Das Volumen

Um diesen wunderschönen Ort zu respektieren habe ich ein kleines kompaktes Volumen gewählt. Die Interventien in den vollkommenen Landschaftsraum sollte möglichst gering sein.

Das Haus steht vor dieser kleinen Anhöhe, über die man im Obergeschoss hinaussehen kann, und orientiert sich gegen die Nachbarinsel Giglio im Westen.

Im Erdgeschoss befindet sich die Küche, die von einer Veranda umgeben wird. Im Westen gegen die Anhöhe gerichtet führt eine Treppe ins Obergeschoss, wo man den Wohnraum betritt, der in die Schlafnische und die Dusche führt. Im Gegensatz zum Erdgeschoss, welches bis auf den Küchenkern absolut geöffnet ist, verschliesst sich das obere Geschoss und bietet Schutz vor Witterung und Hitze.

Kunst am Bau

Architektur und Kunst stehen gerade am Beispiel der Schaufassade in einer langen Tradition. Viele Schaufassaden italienischer Palazzi lassen Rosetten in den verschiedensten Formen als integriertes Stilelement in Erscheinung treten. Als Beispiel sei hier der Canal Grande und der Dogenpalast in Venedig erwähnt.

Künstlerisches Konzept

In den vorgesetzten Sandsteinplatten (Pietra Etrusca) bilden Rosettenvariationen den künstlerischen Akzent. Die Anordnung im goldenen Schnitt und in der Fibonacci-Zahlenreihe bezieht sich zur Ausrichtung des Baukörpers. Mit dem eingesetzten Farbglas soll das Thema der verglasten Rosetten neu interpretiert werden. Jeweils ein Kreis in der Rosette ist mit farbigem, die kleineren Kreissegmente sind mit farblosem Echtantikglas versehen. In die Platte mit ostseitiger Ausrichtung wird ein Honiggelber Farbton eingesetzt. Symbolisch steht diese für den beginnenden Morgen. Die vier Platten auf der nach Westen ausgerichteten Hausseite erhalten blaue Farbtöne. Symbolisch stehen diese für die nahende Nacht und die Transzendenz. Durch die sich ändernden Lichtverhältnisse der exponierten Insellage entstehen je nach Tages- und Jahreszeit temporäre Farbbilder im Raum. Bei dieser künstlerischen Intervention ergänzen sich Architektur und Kunst im gemeinsamen Dialog.